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Digitales Pfalztheater: Warum nur Häppchen statt Vollprogramm

Am 9. April 2021 konnte man in der Rheinpfalz einen langen Artikel über das Tanztheaterstück „Human 8 words“ lesen. Ganz nach dem Gusto der derzeitigen Intendanz des Pfalztheaters, der lokalen Kulturpresse und allen anderen subventionierten Kulturverantwortlichen in Kaiserslautern wurde für dieses, sowie einige andere schon lange fertiggestellte Produktionen ein Premierentermin anberaumt.

Dieser fällt nun wegen der steigenden Inzidenzzahlen in der Stadt ins Wasser. Niemand kann ernsthaft behaupten, das dies nicht absehbar gewesen wäre. Immerhin befindet sich das Land bundesweit in der sogenannten dritten Welle. Da hilft kein noch so gut gemeintes ausgeklügeltes Hygienekonzept.

Nun ist darüber hinaus zu lesen, dass dieses Theaterstück digital angeboten wird. Nur leider nicht als vollständiges Kunstwerk, sondern nur in Ausschnitten. Nicht mit Bezahlfunktion in einer der von vielen Theatern bundesweit genutzten Plattformen, sondern auf einem eigenen You Tube-Kanal. Dazu gibt es dann noch „Making of“-Schnipsel und ein Werkstattgespräch, was schön ist, aber es nicht übertünchen kann, das dem Theaterpublikum und vielen anderen an Tanztheater interessierten es wieder nicht ermöglicht wird ein Kunstwerk in ganzer Länge und Schönheit digital genießen zu können.

Die Frage ist und bleibt WARUM?

Warum kann das Pfalztheater nicht wie es viele andere Theaterhäuser im deutschsprachigen Raum bereits tun, ihre Arbeit in digitaler Form präsentieren. Gerade bei der qualitativ hochrangig besetzten Tanzsparte kann es eigentlich nicht die Scham sein hier in der kulturellen Provinz nicht mit den Produkten anderer Häuser mithalten zu können.

Sämtliche Erklärungsmuster, außerhalb der kulturtraditionalistischen und strukturkonservativen Argumente, die außer Livetheater nichts zählen lässt, gehen ins Leere. Argumente, wie der kulturelle Gewinn, die eigene Kunst einem noch größeren Publikum als es zu Coronazeiten (und darüber hinaus) in die Theatersäle passt, anbieten zu können, das Argument durch ein hochwertiges Streamingangebot über das Normalpublikum hinaus weitere Menschen für das Theater zu interessieren werden nicht berücksichtigt. Genauso wenig wie der Anspruch der als Steuerzahler*innen das Theater Mitfinanzierenden oder der Ruf von zu einer noch nicht geimpften Risikogruppe gehörenden oder Mobilitätseingeschränkten an den Ergebnissen dieser künstlerischen Arbeit in Form der Präsentation vollständiger Produktionen zu partizipieren.

Noch einmal: Es gibt alle Möglichkeiten Theaterstücke, auch „Making of‘s“ und Theatergespräche im Internet zu präsentieren. Dies ginge über eine eigene Webpräsenz genauso, wie über von vielen Theatern genutzte Angebote wie z.B. „dringeblieben.de“. Sogar mit Bezahlfunktion. Dort wird mit der für künstlerische Produkte ausgelegte Videoplattform „Vimeo“ gearbeitet. Ein weiterer Vorteil, der einen von Google bzw. You Tube emanzipiert, die viele internetaffine Menschen mittlerweile wegen ihre Datensammelwut und Überkommerzialisierung kritisch hinterfragen oder gar ablehnen.

Es kann eigentlich nicht sein, dass die Kultur in einer Stadt die viel wert auf Digitalisierung und Fortschritt legt praktisch in der Steinzeit verharrt. Das betrifft nicht nur das Theaterwesen, sondern auch Film bzw. Kino und die Musik. Es ist Beschämend


Carsten Ondreka
Bürger*innenvertreter der Fraktion DIE LINKE im Kulturausschuss