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Mahnwache für die Opfer des Anschlags von Hanau

Am Freitag letzter Woche wurde in der Fußgängerzone in Kaiserslautern eine Mahnwache für die Opfer des Anschlags von Hanau vom vergangenen Mittwoch Abend abgehalten. Auch einige Mitglieder unserer Partei nahmen hieran Teil, um ihrer tiefen Trauer und Wut über diese Gewalttat Ausdruck zu verleihen.

Der stellvertretende Vorsitzende unserer Fraktion im Stadtrat, Stefan Glander, hielt bei der Mahnwache folgende Rede:

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger, liebe Freundinnen und Freunde,

heute konnten wir in der Rheinpfalz lesen: „Ein 43-jähriger hat offenbar aus Fremdenhass das Leben von neun Menschen mit Migrationshintergrund ausgelöscht.“ Es war aber kein Fremdenhass, es war Rassismus. Ermordet wurden keine Fremden, sondern Nachbarn, Arbeitskollegen, Freunde.

Sie haben Namen: Ferhat Unver, Gökhan Gültekin, Hamza Kurtovic, Said Nessar El Hashemi, Mercedes K., Can Gülcü, Bilal Gökce, Sedat Gürbüz, Kaloyan Velkov.

Gökhan Gültekin, 37, wollte sich gerade verloben, arbeitete neben seinem Maurerjob abends in einem Kiosk, sein Vater kam vor 42 Jahren nach Deutschland, er hat Krebs im Endstadium. Mercedes K. ist Mutter zweier Kinder, arbeitete in einem Kiosk neben der Shisha-Bar. Sie wurde nur 35 Jahre alt.

Für die Rassisten gehören diese Menschen nicht hierher. Für uns schon. Man sagt, der Täter sei in Einzeltäter. Er gehörte wohl keiner Terrorzelle an, niemand gab ihm einen Auftrag. Aber es ist nicht die Tat eines Einzelnen. Es ist systematischer Terror. Es wird so lange radikalisiert, bis die Wahrscheinlichkeit, dass etwas passiert, steigt. Und dann schlägt jemand zu. Irgendwann. Irgendwo. Über 200 Menschen wurden seit 1990 von Rechtsextremen ermordet. Und jeder, der von Einzelfällen spricht, hilft bei der Fortsetzung.

Der Bundespräsident sagte gestern in Hanau: „Nichts kann diese sinnlose Tat erklären.“ Würde er die antifaschistischen Initiativen fragen, könnten sie ihm erklären, wie es zu dieser Tat kommen konnte. Der rechte Terrorismus ist ein Produkt dieser Gesellschaft. Und das macht mich wütend. Ich will keine nutzlosen Mitleidsbekundungen und blumigen Worte mehr hören, die morgen schon wieder bedeutungslos sind. Wir werden am Samstag in einer Woche, wenn Nazis in unserer Stadt wieder eine Kundgebung abhalten, feststellen können, was diese Worte der politisch Verantwortlichen wert sind. Daran werden wir sie messen. Auf welcher Seite dann die staatlichen Organe, Polizei und Ordnungsamt stehen.

Ich will keine weiteren Lichterketten, ich will endlich lückenlose Aufklärung, die Zerschlagung rechter Netzwerke in Polizei, Bundeswehr und Geheimdiensten. Die Öffnung der NSU-Akten. Die Bild-Zeitung muss für ihre mörderische Hetze zur Rechenschaft gezogen werden. Keine AfD-Politiker mehr in Diskussionsrunden und Talkshows, Maischberger, Plasberg und Konsorten haben damit den Rassismus doch erst wieder hoffähig gemacht.

Rassismus ist das Zement der deutschen Gesellschaft. Nur mit unserer Solidarität können wir ihn bröckeln lassen. Rassismus wird nicht nur von der AfD befeuert, sondern von allen, die ihn dulden und dazu schweigen.

Was tun? Wenn das Ziel der Rassisten Entmenschlichung ist, muss Menschlichkeit unsere Maxime sein. Und Solidarität mit denen, die Angst haben. Gemeinsam ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen – heute, morgen, jeden Tag!

SIAMO TUTTI ANTIFASCISTI!